Tritratrulalla

… das Kasperle ist wieder." Berufscredo aller Puppenspieler. Der zweite Wahlspruch: "Gut gebrüllt, Löwe!" Kennt auch jeder. Titel eines TV-Marionettenstücks der Augsburger Puppenkiste von 1967. Diese war im Westen über die 60er Jahre hinaus das berühmteste Marionettentheater. Vor Weihnachten gab es immer den vierteiligen, heiß ersehnten Puppenstraßenfeger für Kinder (inkl. Eltern) zu bestaunen. Ach ja.

 

Als spiritus rector der Zwickauer Puppenbühne hauchte Heinrich Schulze bis 2010 unbelebter Materie fast 30 Jahre lang Phantasie, Witz und Leben ein. Der Puppenschulze, wie man ihn liebevoll nennt, war Schöpfer zahlreicher quicklebendiger Marionettenschicksale. Für viele Kinder, Stammkundschaft der Puppenbühne, ein magisches Geschehen, real und glaubwürdig wie für Erwachsene das Theater oder der Stammtisch. In all diesen Jahren hat er die Puppen geschnitzt, gebaut, gemalt: "Heinrich, Du grimassierst", sagte man zu ihm, wenn er Puppen baute. Er hat sich Geschichten ausgedacht, geschrieben und die märchenhaften "Untoten" an der Leine geführt. Nur inszenieren wollte er nie … "Marionetten und Absurdes machen", hat ihn, den "Arbeiter in Sachen Kunst", fasziniert.

 

Wer etwas inszeniert, verfügt über Stoff und Plan. Über Lebensstoff und -pläne verfügt Heinrich Schulze in fast enzyklopädischen Dimensionen. Gelassen erzählt er von der Zeit in Berlin, seiner Fernseharbeit dort oder dem Puppentheater. Heute als so netter wie älterer Herr präsentiert er, weise und weiß geworden, ein Bonmont unverstellter Selbsterkenntnis: "Eigentlich bin ich ein großer Verzetteler." "Heinrich! Mir graut’s vor dir.", kontert ihm Goethe sogleich faustisch in den Bart.

 

Sein Erweckungserlebnis in Sachen Puppen prägte den Jungen früh und nachhaltig. Marionetten begleiteten ihn fürderhin. Daß sie die Liebe seines Lebens sind, trau ich mich verständlicherweise nicht zu sagen. Bis heute hält der Puppenspieler von Zwickau gern kreative Fäden in der Hand, für das hiesige Kulturleben ein Gewinn.

 

Häufig zeichnet einen Universalbegabten auch eine Universalpräsenz aus. In Zwickau kennt das universell geneigte Publikum natürlich den derart mit freundlichen Göttergaben Gesegneten. Tatendrang und Unruhestand scheinen bei Zwickaus altgedientem Strippenzieher. Er schreibt nachdenklich-humorvoll-böse Gedichte, unterhält mit Lesungen, kann Karikaturen zeichnen, hat ein höchst raffiniertes Stadtpanorama in der Pestalozzi-Schule an die Wand gemalt, spielt immer noch mit Puppen. Gut gelaunt. Deshalb: Gut gebrüllt, Heinrich der Löwe!